Tiergarten Delitzsch - seit mehr als 45 Jahren ein Erlebnis für Jung und Altfranz kirsch

Am Anfang stand ein ausgefallenes Hobby. Der Genossenschaftsbauer Franz Kirsch aus Klitschmar hatte sich auf dem Gelände einer alten Sandgrube neben seinem Gehöft seit 1960 ein wertvolles Kleinod geschaffen: Ein mit Blumen, Steinhalden, Kiefern, Weiden und Pappeln, mit kleinen Teichen und Ausläufen versehenes Freigehege für seine umfangreiche Sammlung exotischer Wasservögel. Innerhalb weniger Jahre hatte sich die Exotenschar zu einem kleinen Zoo gemausert. Neben den schwarzen australischen Lockenschwänen, Brandgänsen, Peposaka-, Kolben-, Spieß- und Mandarinenten waren es in der Kollektion der 22 verschiedenen Enten- und Gänsearten vor allem die prachtvollen Kaisergänse, die einen Ausflug hierher zu einem Genuss machten. Übrigens waren zu dieser Zeit die Kaisergänse nur noch im Berliner Tierpark zu finden.

Schon damals besuchten viele Delitzscher und ihre Gäste das Freigelände von Franz Kirsch. Seine Idee, mit Tieren aus diesem Gelände einen Tierpark in Delitzsch zu gründen, fand über viele Jahre wenig Gehör bei den Delitzscher Stadtvätern. Etwas neidvoll schauten daher die Stadtbewohner nach Eilenburg, Bad Dürrenberg oder Schwarzenberg, denn dort waren in den städtischen Parkanlagen zur Freude der einheimischen Bevölkerung Tiergartenanlagen entstanden.

Im Jahre 1967 war es dann endlich soweit. Am 1. Mai erfolgte auf einem moorigen Wiesengelände vor den Toren der Stadt der erste Spatenstich, um das Gelände zu ebnen und Raum für einen Delitzscher Tiergarten zu schaffen. Viele Bürger fassten damals selbst mit an und leisteten freiwillig Aufbaustunden. Es wurden riesige Erdmassen bewegt und zigtausend Kubikmeter Schwemmsand planiert, die auf das moorige Areal aufgefüllt werden mussten. Franz Kirsch hatte eine Lawine ins Rollen gebracht, die die ganze Stadt in Atem hielt.

Am 11. Juni 1968 öffnete dann in Delitzsch die neue Attraktion ihre Pforten. Noch war die geplante Größe längst nicht erreicht. Franz Kirsch wusste aber schon damals ganz genau, wie der Tiergarten einmal aussehen würde: "Eine Fasanerie wird er enthalten, einen Teich, einen Springbrunnen mit Seerosen und Goldfischen, ein Gehege für indische Wasserbüffel und Lamas, ein großes Gehege für Hängeohr- und bulgarische Ziegen, Kamerun- und Zackelschafe ...". Im Eröffnungjahr beherbergte der Tiergarten 35 Vogelarten sowie 10 Säugetierarten. Doch schnell stieg die Artenzahl und die Attraktivität der Einrichtung. Rastlos war Franz Kirsch um das Wohl der Tiere und den Ausbau des Tiergartens bemüht. So war er gern gesehen in Liberec, Usti nad Labem, Chomutov, ja sogar in Prag. Manches Tier fand seinen Weg manchmal auf abenteuerliche Weise über die Grenzen. Eine enge Freundschaft entwickelte sich zum Direktor des Breslauer Zoos, Dr. Gucwinski, der als polnischer „Grzimek“ galt. Die Popularität von Kirsch in Berlin war so gewachsen, dass man ihm nicht verwehren konnte, was große Zoos wie Berlin, Leipzig und Halle praktizieren durften. Im Tausch gegen Sittiche, Zierenten, Rinder und Bären fanden Zebras, Paviane und Kängurus ihren Weg nach Delitzsch.

dr. homannNachdem Franz Kirsch 1990 in den verdienten Ruhestand ging, übernahm Dr. Hohmann - bis dahin Direktor des Dresdner Zoos - die Leitung des Tiergartens Delitzsch. Er entwickelte den Tiergarten systematisch weiter und baute und modernisierte trotz schwieriger finanzieller Voraussetzungen eine Vielzahl von Tiergehegen und Anlagen. Unter anderem wurde der Bau der Zooschule im Jahr 2004 durch ihn vorangetrieben. Vor allem die jüngsten Besucher und deren Verhältnis zur Tierwelt und Natur lagen Dr. Hohmann am Herzen. Das Motto "Mit dem Tier auf du und du" wurde eingeführt, und durch die Installation von Spielgeräten, Futterautomaten und Anlagen, die den Kontakt mit den Tieren ermöglichen, mit Leben erfüllt. Bis heute ist Dr. Hohmann als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins dem Tiergarten eng verbunden.

Von 2007 bis 2013 übernahm Dr. Katrin Ernst die Leitung des Tiergartens und führte die Arbeit ihres Vorgängers fort. In dieser Zeit entstanden u. a. die begehbare Voliere für Wellensittiche und Zebrafinken, ein neues Sozialgebäude für die Mitarbeiter des Tiergartens und die Anlage der beiden Braunbären wurde nach jahrelangem Spendensammeln umgebaut und wesentlich vergrößert.

Seit Juli 2013 heißt die Leiterin des Delitzscher Tiergartens Julia Gottschlich. Mit viel Engagement widmet sich die Zoologin seitdem der Modernisierung zahlreicher Anlagen und Gehege. Neue Tierarten hielten Einzug und die gärtnerische Gestaltung und Grünpflege wurde intensiviert. Als Resultat konnte der Tiergarten im Jahr 2014 erstmals mehr als 50.000 Besucher verzeichnen.